Renovieren ohne Staub Neuer Glanz für Fliesenwände

By | April 1, 2015

Jeder kennt sie, die Fliesendekore der 70er und 80er Jahre. Kaum vorstellbar, dass diese Farben und Muster einst als schön galten. Wenn man sich von diesen Fliesen trennen wollte, war das stets mit dem Abschlagen, also viel Staub und Dreck verbunden. Doch es geht viel einfacher und sauberer.

ÜBERSTREICHEN

Überlackieren ist die schnellste und einfachste Methode, den alten Fliesen ein neues Gesicht zu geben. Genau genommen wird die Oberfläche aber nicht lackiert, sondern in drei Arbeitsgängen beschichtet. Unter dem Namen „MoltoLook“ ist dafür ein Beschichtungssystem im Handel, das aus Grundierung und Lack besteht (Molto, rund 80 Euro für 8 bis 10 qm). Die Anstriche werden aus zwei Komponenten angerührt und härten zu einer widerstandsfähigen und feuchtigkeitsbeständigen Beschichtung aus. Der Auftrag erfolgt mit einer üblichen Schaumstoff-Lackierrolle und ist auch für ungeübte Selbermacher kein Problem. Allerdings bleibt die Struktur der Fliesenoberfläche sichtbar und die Fugen bekommen dieselbe Farbe wie die Fliesen. Durch den Auftrag mit der Schaumstoffrolle wird die Oberfläche nicht Spiegelglatt, sondern erhält eine ganz feine Narbung.

Nehmen Sie sich Zeit für d Überlackieren (Beschic ten) Ihrer Fliesen. Zunächst müssen Sie die Fliesen und Fugen sorgfältig reinigen. Dafür bieten die Hersteller von Beschichtungssystemen spezielle Reiniger an (zum Beispiel Molto, 375 ml jeweils etwa 5,50 Euro). Alle Becken und Armaturen sollten Sie abmontieren oder zumindest sorgfältig abkleben. Achtung: Klebebänder müssen nach jedem Anstrich sofort entfernt werden, da sie sonst unlösbar mit der Beschichtung verbunden sind! Silikonfugen werden nicht überlackiert, sondern vorher entfernt. Hilfreich sind Silikonentferner (Molto, 100 ml rund 8,50 Euro), die letzte Silikonreste anlösen und abwischbar machen. Die eigentliche Beschichtung beginnt mit der Grundierung (16 Stunden Trockenzeit), die für optimale Lackhaftung sorgt. Dann folgen zwei Lackschichten (je zwölf Stunden Trockenzeit). Nach acht Tagen ist die Beschichtung dann voll belastbar.

1    Beginnen Sie mit dem Herausschneiden der alten Silikondichtungen in den Eckfugen. Am besten geht das mit einem scharfen Cutter.

2    Anschließend werden die Dichtungsreste mit einem Silkonentferner eingestrichen und nach kurzer Einwirkzeit weggewischt.

3    Jetzt reinigen Sie die Fliesenflächen mit einem sauren Reinigungsmittel.

4    Auch zum Reinigen der Fugen gibt es Spezialreiniger der Hersteller.

5    Unmittelbar vor dem jeweiligen Anstrich werden die beiden Komponenten von Grundierung und Lack fünf Minuten lang verrührt und dann 15 Minuten stehen gelassen. Vorm Auftragen noch einmal kurz durchrühren. Die Grundierung muss in zwei Stunden, der Lack in sechs Stunden verarbeitet werden!

6    Die Grundierung streichen Sie sehr dünn (ruhig etwas durchscheinend) auf die Fliesen.

7    Nach 16 Stunden Trockenzeit werden im Abstand von zwölf bis 72 Stunden zwei Lackschichten aufgetragen.

 

ÜBERKLEBEN

Eine perfekte Lösung für eine neue Fliesenoptik -ohnegleich das Bad zur Baustelle zu machen – ist das Überkleben der alten Fliesen mit neuen.
Dafür sollte man sich zwar das klassische Fliesen zutrauen, doch mit einem gebrauchsfertigen Spezialkleber Beispiel (Quickmix Bau- und Fliesenkleber „extraklasse“, etwa 25 Euro für 8 bis 11 qm) ist das Kleben kein Problem. Großer Vorteil dieser Methode: Das Entfernen der alten Fliesen entfällt, und man vermeidet Staub und Dreck. Außerdem können Ihre neuen Fliesen alle möglichen Formate, Farben und Dekore haben. Doch für ein dauerhaftes und optimales Ergebnis ist neben der Wahl des richtigen Klebers auch die sorgfältige Vorbereitung der Wand entscheidend wichtig. Für eine gute Haftung sollten mit einem sauren Putzmittel (Essigwasser) Seifen- und Reinigerreste von den alten Fliesen und Fugen entfernt werden.

Auch wer seine alten Fliesen mit neuen Fliesen überkleben möchte, kommt um eine gründliche Reinigung des Untergrunds nicht herum. Besonders in den Fugen lagern sich über die Jahre Seifenreste und Reinigungsmittelrückstände ab. Sie würden eine gute Haftung des Fliesenklebers am Untergrund unmöglich machen. Anschließend beginnt die klassische Fliesenarbeit: Untergrund anrauen, Spezialkleber aufziehen, die neuen Fliesen waagerecht wie senkrecht perfekt ausrichten und mit gleichmäßigen Fugenbreiten kleben. Hierfür sollte man schon etwas handwerkliche Übung haben. Der hohe Arbeitsaufwand wird aber mit einer neuen original Fliesenwand belohnt und der Raum bleibt weitgehend sauber. Wer nur halbhoch fliest, wird die Kante der doppelten Fliesenschicht am Übergang zur ungefliesten Wand erkennen. Hier kann mit einer schrägen Putzkante ein eleganter Übergang geschaffen werden.

So kompliziert, wie es scheint, ist das Fliesen von Wänden gar nicht. Mit modernen, gebrauchsfertigen Klebern gibt es fast schon eine Garantie für gute Haftung der Fliesen und ein perfektes Ergebnis. Wichtig ist, dass Sie sich vorm Kauf über Fliesenformat, Verlegemuster und Aufteilung der Fliesen auf der Wand (Kasten) im Klaren sind.

Welcher Kleber bei welcher Fliese optimal ist und welcher Zahnspachtel richtig ist, steht in der Verarbeitungsanleitung der Kleber. Heute wird meist im Dünnbettverfahren mit nur 6 bis 8 mm Kleberschicht gefliest. Ausnahme machen grob profilierte Fliesen- und Natursteinrücken.

1    Für noch bessere Haftung rauen Sie mit grobem Schleifpapier und Maschinenhilfe die Fliesenoberfläche an. Nur hier entsteht etwas Staub.

2    Dort, wo die geflieste Fläche auf geputzte Wand trifft, verhindert eine Gewebespachtelung aus Fliesenkleber und Armierungsgewebe (Baumarkt), dass die neuen Fliesen an dieser Stelle später reißen.

3    Den gebrauchsfertigen Spezialkleber ziehen Sie mit der Glättkelle auf und kämmen ihn mit dem Zahnspachtel bis auf den Grund durch. Tragen Sie abschnittweise auf, damit genug Zeit zum Ausrichten der Fliesen bleibt, bevor der Kleber anzieht.

4 Für gleichmäßige Fugenbreiten sorgen sogenannte Fugenkreuze (Baumarkt), die es üblicherweise für 4 bis 10 mm Fugenbreite gibt.

5    Die Fliesen werden in das Kleberbett eingelegt und dann gleichmäßig angedrückt.

6    Prüfen Sie bei jeder Fliesenreihe die Flucht mit einer „Fliesenhexe“ -zwei auf die Fliesen gesteckte Metallecken, zwischen denen ein Band gespannt wird.

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